
Manchmal beginnt Familie mit einem Anruf
Unser Leben als Pflegefamilie
Am Anfang steht ein Wunsch. Nicht laut. Kein Paukenschlag.
Ein Wunsch, der wächst. Leise. Tag für Tag.
Der Wunsch nach einem Kind. Nach Familie. Nach Bedeutung.
Für uns war dieser Wunsch immer da. Zuerst dachten wir an ein zweites leibliches Kind. Unsere Tochter kam 1994 zur Welt – ein wunderschöner Moment. Und doch auch ein schmerzvoller. Ein dramatischer Fehler während des Kaiserschnitts beendete alle Träume von weiteren Schwangerschaften.
Also blieb der Wunsch. Und mit ihm: eine Lücke. Keine Leere – unsere Tochter war alles für uns – aber ein offener Raum.
Irgendwann – Jahre später – begannen wir, über andere Wege nachzudenken. Über Kinder, die kein Zuhause hatten. Über das, was es bedeuten könnte, genau diesem Kind eine Familie zu sein. Nicht biologisch. Sondern menschlich. Mit Herz, mit Chaos, mit Zweifeln.
Dieses Buch erzählt davon. Von Entscheidungen, die nicht leicht waren. Von Kindern, die kamen und blieben. Von Momenten, in denen wir fast aufgaben – und von solchen, die uns für immer geprägt haben.
Denn irgendwann versteht man: Familie beginnt nicht immer im Kreißsaal. Manchmal beginnt sie mit einem Anruf.
Anekdoten die ich vergessen hatte
Hier werden von Zeit zu Zeit Anekdoten unserer Kinder hinzugefügt, die mir beim schreiben nicht mehr eingefallen sind.


Wie es weitergeht
Da unser Weg noch nicht zu Ende ist, wollen wir euch Leser natürlich auch auf dem laufenden halten. Daher wird hier auch die Chronologie der Bereitschaft weitergeführt werden.
Und es Geht weiter.....
Hier werde ich von Zeit zu Zeit weitere kleine Abschnitte aus unserem Leben als Pflegefamilie hinterlassen.
Ein neuer Schritt – Loslassen lernen
Heute war für mich ein besonderer Tag. Unser „Junge von den Zwillingen“ hat seine Ausbildung als Dachdecker begonnen. Sein erster Schulblock führt ihn in eine Berufsschule, die rund 100 Kilometer von uns entfernt liegt. Selbstverständlich habe ich ihn hingefahren – und er bleibt dort nun die ganze Woche in einer Unterbringung.
Zum ersten Mal ist er für fünf Tage am Stück auf sich allein gestellt. Nicht, weil ich ihm nicht vertraue – ganz im Gegenteil. Aber für mich war es schwer, ihn loszulassen und ihm seine eigenen Schritte machen zu lassen.
Auf der Heimfahrt habe ich einige Tränen verdrückt. Es ist nicht leicht, nach so vielen Jahren plötzlich zu spüren, dass er mich nicht mehr bei jedem Schritt braucht. Und doch weiß ich: genau so soll es sein. Loslassen gehört zum Elternsein dazu – egal ob leiblich oder Pflegeeltern. Und trotzdem: Es war sehr, sehr schwer, ihn dort zurückzulassen.